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“You can be a museum, or you can be contemporary, but you can’t be both“

Sammeln von zeitgenössischer Kunst

A museum of contemporary art chooses a variety of arts and artists which are to be conserved for the future.  In general, art collectors of bygone eras are faced with previously made preselections. They are when concerned with collection of present age art bound to decide whether a certain object is worthy of preservation or not. Museums of cultural history however have come upon the opportunity to involve the populace in collecting and documenting the present. This especially makes sense for collecting less worthy items as most of them would otherwise get lost. Museums of fine arts are, with regards to research about collecting the ‚here and now‘, in many ways inferior to museums of cultural history. The decision about the to-be-collected contemporary art is solely down to the curator.


 

Wer heute in eine Stadt kommt und dort ein kunsthistorisches Museum besuchen möchte, findet fast immer auch eines für zeitgenössische Kunst oder mit einer Abteilung für selbige. Der Besucher geht mit der Erwartung in jene Museen, sich die Kunst der Gegenwart anzuschauen. Dies kann er vorzugsweise im Museum tun, da dort bereits eine Auswahl an Künstlern und Werken getroffen wurde, die es für die Zukunft zu bewahren gilt. Es entsteht folglich der Eindruck, dass dort die aussagekräftige Essenz der Gegenwartskunst zu bewundern ist. Aber nach welchen Kriterien werden die Werke in den Museen ausgesucht? Repräsentieren die tatsächlich die Kunst der Gegenwart?

Sammeln, und damit auch eine Auswahl Treffen, gehört unter anderem zu den Aufgaben eines Museums. Objekte im Museum dienen zur Vermittlung vergangener Epochen und der Entwicklung der Geschichte. Warum wird dann aber auch zeitgenössische Kunst gesammelt? Kann die Geschichte bis in die Gegenwart hineinreichen oder tut sie das sogar in jedem Fall?

Das Sammeln vergangener Epochen konfrontiert den Sammler immer mit einer Vorauswahl, welche bereits getroffen ist. Die Zeit selbst hat entschieden, welche Dinge zu bewahren waren. Diese repräsentieren nun ihre Epoche. Dies kann ein Vorteil sein, da es nicht im persönlichen Ermessen des Sammelnden liegt, welche Gegenstände er als erhaltenswert betrachtet. Andererseits bedeutet eine von der Zeit getroffene Vorauswahl auch immer ein Fehlen bestimmter Dinge. Jede Sammlung, ob kulturhistorisch oder kunsthistorisch, weist, aus der heutigen Perspektive betrachtet, Lücken auf. Die in den Museen vorhandenen Sammlungen zeigen: Überlebt haben vor allem wertvolle und kuriose Dinge; Alltagsgegenstände mit geringerem Wert sind dagegen wenige erhalten. Dies erschwert es heute ein umfassendes Bild der vergangenen Epochen in Museen zu vermitteln. Durch das Sammeln von Gegenständen der eigenen Zeit kann dafür gesorgt werden, dass keine oder nur sehr kleine Lücken entstehen. Der Sammler hat aber auch die Verantwortung zu entscheiden, welche Gegenstände den Museumsbesuchern der Zukunft unsere Zeit vermitteln sollen und können. Hierbei fehlt dem Sammelnden jedoch die für Museumsarbeit typische historische Distanz.

In Bezug auf kulturhistorische Museen ist hier in den letzten Jahren viel passiert. Als besonders innovativer Schritt gilt die Beteiligung der Bevölkerung am Sammeln und Dokumentieren der Gegenwart. Ein vorbildliches Beispiel ist nach wie vor das schwedische SAMDOK-Projekt, welches 1977 ins Leben gerufen wurde und an dem sich 80 Museen beteiligten. Hier werden unter anderem Bürger aufgefordert, persönliche Gegenstände in die Museen zu überführen. Sie können dabei selbst entscheiden, welche Objekte sie für erhaltenswert erachten und befinden sich somit auf Augenhöhe mit dem Kurator. Auch ist das Objekt nun auf doppelte Weise mit dem Sammelnden verbunden. Dieser kommt nicht nur in der Objektbiografie an sich vor, sondern ist auch gleichzeitig der Sammelnde, welcher das Objekt für das Museum ausgewählt hat. Die partizipatorischen Ansätze des zeitgenössischen Sammeln erforscht das COMCOL-Komitee von ICOM.

Kunsthistorische Museen stehen, was Forschung über das Sammeln der Gegenwart angeht, kulturhistorischen in vielem nach. Es gibt zwar einige Anleitungen von privaten Sammlern, wie man zeitgenössische Kunst sammelt. Die Museen selbst geben allerdings kaum Hinweise auf ihr Vorgehen. Es ist beinahe unmöglich, herauszufinden, nach welchen Kriterien Sammlungen der Gegenwart aufgebaut werden. Oftmals bilden jedoch eine oder mehrere private Sammlungen den Grundstock einer öffentlichen Sammlung. “You can be a museum, or you can be contemporary, but you can’t be both“ weiterlesen

Exhibiting Trauma – Trauma im Museum?

A museum has many functions and aims, it may even be a place were visitors can come to terms with their trauma. First, trauma can be divided into an individual trauma and a cultural trauma. Cathy Caruth defines individual trauma as the delayed and uncontrolled reactions to a sudden and catastrophic event. Jeffrey C. Alexander describes the cultural trauma as the experience of a community to a horrendous event which marks their group consciousness and changes their collective identity and collective memory. Second, with focus on the terrorist attacks from 9/11, four stages of a museification can be detected: participative street memorials are followed by museums collecting the artefacts from those memorials and as a third step exhibit them in temporary exhibitions. The fourth step is the building of a permanent memorial. To heal the wounds of the affected society, citizens and museum visitors have to actively participate in the museification process of the event.


Welche Funktionen kann ein Museum übernehmen? Und welche Ziele kann ein einzelnes Museum für sich selbst bestimmen? Laut der Definition der ICOM übernimmt ein Museum im Umgang mit Kulturgütern, seien sie materiell oder immateriell, die Funktionen Erwerben, Konservieren, Forschen, Vermitteln, Ausstellen. Diese Funktionen dienen dem Zweck der Erziehung, des Lernens und auch der Unterhaltung.

Für mich stellt sich an genau dem Punkt des Zwecks eines Museums die Frage, ob es nicht noch mehr Ziele gibt, die ein Museum mit seiner Arbeit erreichen kann, als die, die von der ICOM aufgestellten wurden. Kann es nicht auch Erinnern und Mahnen? Und wäre ein Museum nicht vielleicht auch ein Ort um ein Trauma zu verarbeiten?

Um sich dem Trauma-Begriff zu nähern, ist es hilfreich zwischen individuellem Trauma und kulturellem Trauma zu unterscheiden. Cathy Caruth definiert ein persönliches Trauma als die überwältigende Erfahrung eines plötzlichen oder katastrophalen Ereignisses. Eine Reaktion auf dieses Ereignis tritt meist verzögert und in unkontrollierten, sich wiederholenden Intrusionen (Bilder, Flashbacks, Albträume) auf. Geoffrey H. Hartman nimmt an, dass „uns Traumata immer mit Ängsten der absoluten Entfremdung und Isolation bedrohen“. In Zeiten medialer Verbreitung von Bildern, geht das individuelle Trauma oft Hand in Hand mit einem kulturellen Trauma wie es Jeffrey C. Alexander beschreibt:

Cultural trauma occurs when members of a collectivity feel they have been subjected to a horrendous event that leaves indelible marks upon their group consciousness, marking their memories forever and changing their future identity in fundamental and irrevocable ways“.

Wird die soziale Identität einer Gemeinschaft angegriffen und verwundet, kann ein kulturelles Trauma entstehen. Allerdings wird nicht jedes erschreckende Ereignis sofort zu einem kulturellen Trauma. Es kommt darauf an, wie die Gemeinschaft dieses Ereignis interpretiert und im Nachhinein davon erzählt. Denn ein kulturelles Trauma entsteht nicht im Moment des Ereignisses selbst. Nach J.C. Alexander kommt es auf “speeches, rituals, marches, meetings, plays, movies, and storytelling of all kinds“ an. Ein kulturelles Trauma beruht also darauf, wie die Gemeinschaft mit den Ereignissen umgeht und welches Narrativ sie für sich wählt.

Betrachtet man das Storytelling rund um eines der bisher größten kulturellen Traumata des 21. Jahrhunderts, den 11. September, können folgende Schritte des Trauma-Prozesses und einer Musealisierung der Ereignisse nachgezeichnet werden: Exhibiting Trauma – Trauma im Museum? weiterlesen