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Museen, Sammlungen, Archive und Depots: Friedhöfe sensibler Objekte?

The following text is about sensitive objects in the context of the museum. Thereby, the origin of an attribution of sensitivity should be highlighted in a first step. Thus, as a first step it is necessary to highlight how sensibility is ascribed in the first place – due to an object materiality, history of an object, acquisition and its overall context. The analysis of sensitive objects automatically brings up ethical discussions between the poles of Exposing and Deposing. Furthrmore, several potential conflicts concerning the presentation of such objects should be considered.


Schrumpfköpfe, Skalpe, Mumien, Guillotinen, Richtschwerter und Raubkunst – diese Gegenstände verbindet eine Gemeinsamkeit, die uns vielleicht nicht auf den ersten Blick ersichtlich wird. Unter einem ethischen Gesichtspunkt betrachtet handelt es sich um sogenannte „sensible Objekte“. Diese finden sich nicht nur in privaten Sammlungen, Archiven und Depots wieder, sondern auch in musealen und damit öffentlich zugänglichen Räumen.

Bei ihrer Ausstellung müssen komplexe Fragestellungen diskutiert werden: In welchem Kontext wird ein Exponat ausgestellt und welches Ziel verfolgen wir damit? Können wir bestimmte Dinge und Themen im Museum ohne Bedenken ausstellen? Kann ausgeschlossen werden, dass durch das Exponieren eines bestimmten Gegenstandes Gefühle und Meinungen von Individuen oder sozialen Gruppen verletzt werden? Und die entscheidendste Frage ist vielleicht ob es überhaupt möglich ist „richtig“ und „moralisch“ zu handeln. Hierbei stellt sich mir die Frage inwiefern eigentlich eine vollkommene Rücksichtnahme sinnvoll ist, wenn sie vor allem von einer Angst geleitet wird, den gewohnten und vielleicht den geringsten Weg des Widerstandes zu wählen. Doch sollte nicht gerade das Museum ein Forum für kontroverse Diskussionen bilden?

Diese Fragestellungen werden vor allem dann aufgeworfen, wenn es sich um Dinge mit einem sensiblen Kontext handelt oder diese mit emotional und kontrovers aufgeladenen Thematiken verbunden sind. Das Empfinden einer Sensibilität kann dabei äußerst subjektiv sein. Dennoch fällt auf, dass es bezüglich einiger Thematiken einen gesellschaftlichen Konsens gibt. Zunächst ist jedoch herauszustellen, dass Dinge nicht „an sich“ sensibel sind sondern dass wir ihnen dieses Attribut zuschreiben. Dabei ist doch vielmehr der konkrete Umgang mit ihnen gemeint. Doch welche Gegebenheiten und Kontexte führen eigentlich dazu, dass wir einer solchen Zuschreibung zustimmen? Woraus erwächst also die Sensibilität eines Gegenstandes?

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Wim Delvoyes Cloaca – „Kunstwerke“ produzieren lassen?!

Wim Delvoye’s Cloaca is a machine of ecstatic transformation: it was invented for the simple purpose of converting meals into excrement as efficiently as possible. The following thoughts are meant to pose questions about the theme and the approach of the artist. Ethically controversial aspects and projects related to the institution museum are being depicted and former projects concerning the topic of digestion are being listed.

 

Der belgische Konzeptkünstler Wim Delvoye hat zwischen 2000 und 2007 acht Maschinen entwickelt, die den menschlichen Verdauungsvorgang simulieren. Es ist ihm nach mehreren Jahren Forschungsarbeit und mit der Hilfe von Wissenschaftlern gelungen, eine der inneren Funktionen des menschlichen Körpers nachzubilden und von menschlichen visuell nicht zu unterscheidende Exkremente zu produzieren. Er hat es geschafft mit seinen Maschinen, die er „Cloaca“ taufte, Kunst und Wissenschaft zu vereinen. Delvoye hat jede seiner Maschinen mit einem zusätzlichen Namen versehen: Cloaca Original, Cloaca – New & Improved, Cloaca Turbo, Cloaca Quattro, Cloaca N°5, Super Cloaca, Personal Cloaca und Mini Cloaca. Bei diesen Titeln sticht wohl am Ehesten Cloaca N°5 ins Auge. Einerseits handelt es sich ganz einfach um die fünfte Maschine, die er entwickelt hat, andererseits handelt es sich um eine Anspielung an das wohl bekannteste Parfum der Welt Chanel N°5. Was will uns der Künstler sagen, wenn er eine Maschine, die Exkremente produziert und durchaus unangenehme Gerüche beim Vorgang ausstößt, mit dem Namen eines Parfums kombiniert? Eine von vielen Fragen, die im Verlauf aufgeworfen werden.

Das Cloaca-Logo in Form des Coca Cola-Schriftzuges verschmilzt mit dem Superman-Logo

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