Intervention – Überlegungen anhand des kritischen Audioguides ‚Kolonialismus im Kasten?‘

Bei meinem letzten Besuch im Deutschen Historischen Museum machte ich dank einer Initiative junger HistorikerInnen mit dem Namen ‚Kolonialismus im Kasten?‘ eine besondere Erfahrung, über die ich hier reflektieren möchte. Die Initiative erarbeitete einen gleichnamigen kritischen Audioguide zu der umfassenden Dauerausstellungsabteilung über das deutsche Kaisereich im DHM. Er ist unabhängig vom DHM entstanden und ist auf der Internetseite der Initiative frei downloadbar.

Aus einer postkolonialen, rassismuskritischen Position heraus analysiert, kommentiert und kritisiert der Audioguide die Dauerausstellung.Der Rundgang durch die Kaiserreichs-Ausstellung im DHM mit den Gegenstimmen im Ohr, die meinen Blick lenkten, mich auf Details und Arrangements aufmerksam machten, mich sehen ließen was nicht gezeigt wurde, die mir weitere Informationen gaben, die mir Dinge in einem anderen Kontext erklärten und mich so das deutsche Kaiserreich neu verstehen ließen, hat mich sehr beeindruckt und mir viele Denkanstöße gegeben.

Ich habe dabei nicht nur viel neues Wissen erworben, sondern meine auch, etwas verstanden zu haben. Ich werde erst versuchen an Beispielen zu zeigen, was und welches Wissen ich erworben habe und dann versuchen zu formulieren, was ich darüber hinaus glaube verstanden zu haben. Mich beschlich bei dem Rundgang außerdem das Gefühl, dass ich zur Zeugin von etwas sehr politischem wurde, dass ich mich in einem Raum befand, in dem etwas passiert. Was das war, das möchte ich hier versuchen zu verstehen und verständlich zu machen. Dabei werden mir vor allem Nora Sternfelds Überlegungen in ihrem Artikel „Aufstand der unterworfenen Wissensarten – museale Gegenerzählungen“ helfen.

Sehr transparent wird auf der Internetseite der Gegenstand der kritischen Audioguides, die Kritik, das Ziel und die Methode der Kritik formuliert. Ausgangspunkt des Guides ist die Beobachtung, dass der deutsche Kolonialismus im DHM – das ja immerhin eines der größten und besucherstärksten nationalhistorischen Museen Deutschlands ist – nahezu ganz verschwiegen und unsichtbar gemacht wird. Nur in einer versteckten Vitrine werde er als Thema behandelt, textuelle Vermittlung und Repräsentationsform würden ihn aber als von der deutschen Geschichte losgelöst und zusammenhangslos darstellen. Durch den Audio-Guide soll hingegen die hohe kulturelle, wirtschaftliche, politische und diskursive Relevanz des deutschen Kolonialismus zur Zeit des Kaiserreiches hör- und erfahrbar werden. Ziel ist es, die Geschichtsdarstellung bzw. Nicht-Darstellung im DHM zu problematisieren, durch neue und andere Informationen, Verbindungen zwischen der separat gedachten deutschen Geschichte und der Kolonialgeschichte zu erzeugen und daran zu erinnern, dass Deutschland ein Kolonialreich war – was sich auf jüngere Geschichte und Gegenwart auswirkt. Dieses Wissen soll in den Audio-Tracks durch Geschichten von kolonisierten und kolonisierenden Personen und Gesellschaften vermittelt werden.

Konsequent findet sich diese Argumentationsstruktur und Agenda in jedem einzelnen der 29 Tracks wieder. Jeder Track geht von einem Objekt, seiner Objektbeschreibung, einer Texttafel oder einem Objektarrangement aus, analysiert diese, weist auf Lückenund Falschaussagen hin, korrigiert diese, fügt neue Informationen hinzu und stellt sie der Repräsentation durch das DHM gegenüber.

An dieser Stelle drei Beispiele dazu:

Der erste Track der Audio-Tour ist ein kritischer Kommentar zur ersten einleitenden Texttafel der Ausstellungsabteilung, in der von Seiten des DHM die Rolle Bismarcks betont wird. Hier wird der Hörer zunächst auf eine Lücke aufmerksam gemacht, denn in dem vom DHM verfassten Text auf der Tafel wird der Kolonialismus nicht erwähnt, obwohl doch in dieser Zeit der deutsche Kolonialismusbegann. Der Audioguide erklärt mir, dass das kein Zufall ist, sondern Kolonialbestrebungen und Reichsgründungsbestrebungen Hand in Handgingen: Öffentlichkeit und deutsche global agierende Unternehmen forderten ein Kolonialreich und damit eine Staatsgründung, die Staatsgründung wiederum förderte das wirtschaftliches Handeln in den sogenannten Schutzgebieten. Hier wird also der in der Agenda beschriebene Zusammenhang zwischen Kolonialgeschichte und deutscher Geschichte schon bei der Gründungsgeschichte hergestellt: der deutsche Kolonialismus erscheint plötzlich als Motor der Reichsgründung. Sodann wird der Hörer darauf aufmerksam gemacht, dass die das Reichsgebiet darstellende Karte neben der Texttafel untertrieben, also fehlerhaft, ist und konfrontiert mit den historischen Fakten: Staatsgebiet (2,6 Mio km) Einwohner (12 Mio), alle Kolonien werden im Track namentlich aufgezählt.

Als zweites Beispiel wähle ich den Track mit dem Titel ‚Preußisches Liebesglück‘ zu einem Gemälde, das sich in dem vom DHM betitelten Ausstellungsraum ‚Mythos Preußen‘ befindet. Die Stimme macht uns zunächst aufmerksam auf das Objektarrangement, das sich durch die hohe Symbolträchtigkeit aller Objekte auszeichnet und weist uns auf eine Unstimmigkeit hin. Denn ein Doppelportrait eines schwarz-weißen Liebespaares will nicht in diesen ikonographischen Zeigegestus passen. Verschiedene mögliche semiotische Lesarten des Gemäldes in diesem Ausstellungsraum werden von den SprecherInnen aufgeworfen und die historischen Funktionen der Repräsentation schwarz-weißer Paare kritisiert. Doch belassen es die Guide-MacherInnen nicht bei der Repräsentationskritik, sondern erzählen dem Hörer dann die interessante Lebensgeschichte des erfolgreichen schwarzen deutschen Militärmusikers. Dabei tritt ein Subjekt zum Vorschein und es wird die selten erzählte Geschichte der ethnisch diversen Gesellschaft im Kaiserreich und des Rassismus, dem ethnische Minderheiten ausgesetzt waren,erzählt. Außerdem wird ein ambivalenten Verhältnis zwischen ‚Diversity‘ und Rassismus im Kaiserreich deutlich, das sich in der mehrdeutigen Repräsentation des Gemäldes im DHM widerholt.

Im dritten Beispiel, das ich hier wählen möchte, ist der Gegenstand der Kritik ein Vermittlungsmedium und die darin vermittelten Informationen. Ein Fühlkasten mit Kolonialwaren ist das einzige taktile Vermittlungsmedium in der Ausstellung und der Audio-Guide wirft die Frage auf, ob dies eine Reproduktion des rassistischen Stereotypes der sinnlichen Kolonisierten, bzw. ‚ihrer‘ Waren ist. Die inhaltliche und stilistische Kommentartextanalyse der DHM-Texte zu den Waren fördert eine kapitalistische und in kolonialen Denkmustern verhaftete Repräsentation der Waren und ihres Handels durch das DHM zutage. Wir werden außerdem darauf aufmerksam gemacht, dass die Produzenten dieser Waren in den Texten zu den Kolonialwaren keine Erwähnung finden und das DHM damit die Chance verpasst hat, die brutalen Arbeitsbedingungen, also die Brutalität des deutschen Kolonialismus gegen Subjekte, zu thematisieren. Sodann wird im Audio-Track, am Beispiel der Palmölgewinnung in Kamerun, die durch den Kolonialismus installierte bis heute wirkende wirtschaftliche Abhängigkeit der Rohstoffgewinner von den Rohstoffveredlern und -konsumenten veranschaulicht.

Was geschieht durch die Audio-Guide Tracks?

Die Guides dekonstruieren die Neutralität der Repräsentation durch das DHM und die des vermittelten Wissens. Indem sie der Repräsentation und dem Wissen durch eine Gegenerzählung eine andere Position entgegensetzen, wird auch die scheinbar objektive Geschichtsdarstellung des DHM als eine Position deutlich. Der Audio-Guide füllt dabei keineswegs nur zwangsläufige Lücken des DHM, er fügt der historischen Narration nicht nur weitere hinzu, sondern er thematisiert die Geschichtsdarstellung des DHM mit ihrer systematischen Auslassung des deutschen Kolonialismus. Die vom Audio-Guide aufgezeigten Lücken erscheinen sodann als neokoloniale Technik einer Diskurspolitik der Verharmlosung. Einer, nun erkennbaren, neokolonialen Position tritt eine postkoloniale Position gegenüber und beide werden erst durch den Audioguide als sich gegenüberstehend erkennbar, weil es zuvor kein Gegenüber gab.

Durch die unterschiedliche Legitimation der beiden Positionen (Institution/Initiative, obligatorisch/optional, geschriebener Text/gesprochener Text, usw.) wird auch ein Machtgefällte deutlich, das über die Museumsmauern hinaus und bis in diese hinein wirkt. Die Institution Museum spielte eine bedeutende Funktion bei seinem Aufbau und spielt diese noch heute bei seiner Aufrechterhaltung: Da das Museum für die Konstruktion einer kollektiven nationalen Identität eine entscheidende Rolle spielt, die Identitätskonstruktion jedoch auf einer starken Alterität aufbaut, kommt dem Museum die Aufgabe zu, das Eigene und das Andere unterscheidbar zu repräsentieren.

Indem die Auswahl der Darstellungen der Anderen, ihre Darstellung und ihre Deutung jedoch nicht den Anderen, sondern dem Museum obliegt, hat es eine Definitionsgewalt über die Anderen, sie werden zu Objekten der Unterwerfung. Dabei darf man eines nicht vergessen: die erste Fremdbestimmung besteht aus einer Konstruktion von getrennt gedachten Eigenen- und Anderen-Diskursen. Die zweite, doppelte, Fremdbestimmung besteht in einer alleinigen Definition und Deutung beider Diskurse durch die eine, mächtigere Seite. Eine solche Technik der Wissensproduktion, in der diskriminierende Konstruktionen zu Wissen objektiviert werden, nennen postkoloniale Theorien ‚epistemische Gewalt‘. Die Position, in die Museen damit die diskriminierten Anderen zur Ohnmacht drängen, ist die der Sub-Alterität; eine Position, die in einem politischen Diskurs als solche gar nicht in Erscheinung treten kann.

Daran ändert auch das Museum für alle und das partizipative Museum nichts, vielleicht sogar im Gegenteil – diese Frage wirft Nora Sternfelds mit ihren Überlegungen zum ‚Imperativ der Partizipation‘ auf. Mit Imperativ meint sie, dass neben der Einladung an bisher marginalisierte Gruppen nun mitzumachen, auch eine Aufforderung an bisher marginalisierte Gruppen gerichtet wird nun in Erscheinung zu treten, also als Darstellungsobjekte zur Verfügung zu stehen. Wieder wird dabei eine Alterität konstruiert, nämlich die der Inkludierenden und die der Inkludierten, die deutlich sichtbar getrennt repräsentiert werden und bei der die Partizipierenden sich bitteschön unpolitisch und kulturell repräsentieren sollen. Limitiert auf eine kulturalisierte Form der Selbstrepräsentation bleibt die Entscheidungsmacht über die Selbstrepräsentation weiterhin fremdbestimmt. Die Möglichkeit, an der Darstellung und Deutung anderer als der ihnen zugewiesenen Diskursen mitzuwirken – etwa an der Kaiserreichsausstellung im DHM – ist in der Partizipation im Normallfall nicht enthalten.

Sternfelds Begriff des Imperativs erinnert uns nur zu gut daran, dass das Museum in einer mächtigen Position ist, so mächtig, dass es die Zu-Partizipierenden definieren kann, den Zeitpunkt, Umfang und Inhalt der Mitwirkung festlegen und dann dazu auffordern kann.

Walter Mignolos Überlegungen zu Inklusion in ‚the many faces of cosmo-polis‘ bestärken außerdem das Gefühl, dass es sich bei dem Ruf an die scheinbaren ‚Ränder‘ der Gesellschaft um eine Strategie handelt, sich selbst wieder zum Zentrum zu machen, indem man die Peripherie definiert.

Partizipation kann mit Beteiligung, Teilhabe, Mitwirkung oder Einbeziehung übersetzt werden, dabei wird klar, dass es um ein durch Erste erwünschtes Handeln Zweiter geht. Partizipation ist in ihrerEinvernehmlichkeit also von Beginn an kastriert um den Aspekt der Definitions-, Repräsentations und Deutungsmacht. Die Darstellung gesellschaftlicher Zusammenhänge aus marginalisierter Perspektive geschieht nicht, das unterworfene Wissen der Subalternen kommt nicht zum Vorschein, die Beteiligung am Diskurs und eine damit einhergehende Kritik am Diskurs, Umschreibung und Machtverschiebung wird bei der Partizipation von Seiten des Museums im Normalfall nicht forciert. Wenn doch, so erscheint es, als verhielten sich die Museen antagonistisch zu sich selbst: Die Museumsarbeiter nutzen dann ihre Machtposition, die Position von der aus sie etwas Verändern können, um sich in ihrer Macht zu beschneiden und damit anderen zur Teilhabe am Diskurs zu verhelfen. Dafür gibt es einige interessante Beispiele, die unter dem Begriff des post-repräsentativen Museums zusammengefasst werden können: etwa das Weltkulturenmuseum in Frankfurt, das Johann Jacobs Museum in Zürich, das Macba in Barcelona und das Van Abbemuseum in Eindhoven. Auch wenn hier sehr politisch gehandelt wird, hatte ich beispielsweise im Weltkulrenmuseum in Frankfurt weniger als bei der Audio-Guide-Tour im DHM das Gefühl, mich in einem Handlungsraum zu befinden, das Gefühl, dass in ebenjenem Moment meines Besuches etwas passiert und ich Zeuge eines erfolgreichen Aktes der Selbstermächtigung bin. Warum?

Das politische Handeln des Audioguides besteht eben darin, dass sich eine unterdrückte Stimme, die von der Institution eben nicht erwünscht ist und erbeten wurde, selbst ermächtigt und sich zu einem selbstbestimmten Thema an einem selbstgewählten Ort in einem selbstbestimmten Moment erhebt.

Indem ungebeten das Wort ergriffen wird, dekonstriert der Audioguide den Raum als Machtraum, als Raum, in dem die Geschichte der Unterdrückung und die Perspektive der Unterdrückten vergessen gemacht und damit unterdrückt wird. Aber der Audioguide bleibt nicht bei der Repräsentationskritik, sondern setzt dem DHM eine Gegenerzählung entgegen.

Ich glaube, hier zeigt sich der Unterschied zwischen Partizipation und Intervention, der uns viel über das Museum als Machtraum verrät.Intervention lässt sich mit eingreifen, sich einschalten oder dazwischentreten übersetzten. Sie mutet weit aktiver an als Partizipation, die intervenierende Handlung basiert auf keinem Einvernehmen, vielmehr impliziert das dazwischen‘, dass es einen Konflikt gibt zwischen sich gegenüberstehenden Positionen.

Die Gegenerzählung beinhaltet nicht nur andere Informationen, sondern unterscheidet sich auch in ihrem Stil, der Erzählperspektive und ihrem Fokus von der des DHM. Der Audioguidesetzt dem objektivierten, wissenschaftlichen Stil einen subjektivierten, korrekten, aber dennoch empathischen Stil, gegenüber und bereichert die Ausstellung damit. Er setzt der Narration des DHM, die sich auf die nationalen Grenzen beschränkt,die eines Kaiserreiches in globalen Zusammenhängen gegenüber. Der rassistisch-homogenisierenden Darstellung der Gesellschaft im Kaiserreich setzt der Audioguide die Darstellung einer ethnisch diversen Gesellschaft gegenüber und der eindeutigen Geschichtsnarration eine mehrdeutige, komplexe und ambivalente.

Durch die Gegenerzählungwird die Ausstellung des DHM zu einem Aushandlungsraum, einem Handlungsraum. In dem Konflikt, den die Intervention erst sichtbar macht, geht es um die Repräsentations- und Deutungsmacht, es ist also ein politischer Konflikt.

Aus ihrer subalternen Position heraus gelingt es den Subalternen durch den Audioguide, die Subalterität zu thematisieren und meine Geschichte aus ihrer Position zu erzählen. Mit dem Durchbrechen der Ordnung des Diskurses, dem Einbrechen der Geschichte der Anderen in meine, ändern sich in diesem Moment und für diesen Moment die Machtverhältnisse. Meine Geschichte wurde mir aus einer neuen Perspekive geschildert und damit zu unserer Geschichte. Das unterdrückte Wissen gelangte in das Museum und für mich änderte sich nachhaltig der Kanon dessen, was wer wie öffentlich sagen, zeigen und sehen kann.

Ich habe mich nach dieser Erfahrung gefragt, ob das DHM nicht besser die Historikerinnen der Initiative ‚Kolonialismus im Kasten‘ die Dauerausstellung machen lassen sollte. Doch ich bin mir darüber uneins. Denn ich habe zwar inhaltlich viel interessantes Wissen von dieser Position erfahren, doch war die kritische Auseinandersetzung mit der Geschichtsdarstellung des DHM notwendig für einen Verstehensprozess über die neokoloniale Diskurspolitik des Verschweigens und Verharmlosens. Der Umgang mit dem deutschen Kolonialismus auch hundert Jahre nach seinem vermeintlichen Ende spiegelt eine Fortschreibung kolonialer Machtverhältnisse wieder. Diese Fortschreibung im 20. und 21. Jahrhundert zu verstehen halte ich für ebenso wichtig, wie die Umstände im 19. Jahrhundert zu verstehen, denn nur wenn wir die Machtverhältnisse der Gegenwart erkennen, können wir an einer Umverteilung arbeiten.

Wo Kolonialismus […] nicht aufgearbeitet wird, kann er die Gegenwart mental ungebrochen prägen. Quelle: Susan Arndt, Die 101 wichtigsten Fragen: Rassismus, München 2012

Weil Dauerausstellungen ja so tun, als ob sie so schon immer gewesen wären, beziehungsweise die in ihnen erzählte Geschichte schon immer so erzählt wurde, müsste großer Wert darauf gelegt werden, das zweite und ebenso diskriminierende Kapitel kolonialer Unterdrückung zu thematisieren: Das Kapitel von der Verdrängung aus der kollektiven Erinnerung und aus dem erinnerungskulturellen Diskurs.

Die Gegennarration hat mich bereichert um die Wahrnehmung der (Gegen)position und die Wahrnehmung der Institution Museum. Durch die Möglichkeit mich aktiv zu entscheiden einer Gegennarration zu lauschen, eröffnete sich mir als Besucherin das Museum als politischer Handlungsraum. Er eröffnete sich aber auch als politischer Handlungsraum, in dem es entscheidend ist, wo ich mich als Museumsmacherin positioniere und anderen die Freiheit gebe sich zu positionieren, welche Geschichte ich erzähle, ob ich andere mitsprechen lasse, für sich sprechen lasse oder sogar über mich sprechen lasse.

Es geht – so denke ich – dabei nicht um eine Gegenüberstellung von Eigenen und Anderen, deren Geschichten sich kompromisslos gegenüber stehen, sondern um die Überwindung dieser hegemonial geprägten Alterität. Es geht darum, ‚unsere‘ Geschichte nicht mehr als weiße Geschichte zu schreiben, weil ‚wir‘ ‚uns‘ neu verstehen. Und das muss im Museum geschehen, eben weil es eine epistemische Gewalt inne hat.

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